Balsiger, Seibold & Partner

Gastroenterologische Praxis & Crohn-Colitis-Zentrum
Hochhaus Lindenhofspital Bern

Medikamentöse Therapie

 

Die Therapie der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

In unserer Crohn-Colitis-Sprechstunde werden Sie nach den modernsten und aktuellsten Therapierichtlinien behandelt. Leider ist eine dauerhafte Heilung dieser Erkrankungen bisher noch nicht möglich. Bei fast allen Patienten kann jedoch die Erkrankung mit Medikamenten so behandelt werden, dass eine normale Lebensqualität erreicht wird. Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen brauchen eine individuell gesteuerte Therapie. Aufgrund des individuellen Verlaufs, der durch jedoch auch schleichend chronische Veränderungen dann immer wieder zu Komplikationen führen kann, ist eine Betreuung durch eine auf chronisch entzündliche Darmerkrankungen spezialisierte Fachperson zu empfehlen, um Spätkomplikationen vermeiden zu können. Bei der Therapie unterscheidet man zwischen medikamentösen Therapien und chirurgischen Therapien sowie Begleittherapien.

Medikamentöse Therapieverfahren

Es gibt zwischenzeitlich eine Reihe von Medikamenten, die bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen angewendet werden können. Der Spezialist muss je nach Ausbreitung, Schweregrad und Verlauf der Erkrankung das entsprechende Medikament auswählen. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass sämtliche Medikamente bei maximal 80% der behandelten Patienten wirksam sind. Somit gibt es immer wieder Patienten, die auf die erste Therapie nicht ansprechen und dann mit einem Alternativmedikament versorgt werden müssen.

5-Aminosalicyl-Präparate (5-ASA, Mesalamin, Mesalazin):
Bei milden bis mässiggradigen Schüben einer Colitis ulcerosa werden diese Produkte gerne eingesetzt. Diese Medikamente können als Tabletten als auch als Schaumpräparate, Einläufe oder Zäpfchen verwendet werden. Sie sind bei Schüben wirksam als auch zur Remissionserhaltung (d. h. dass keine weiteren Schübe mehr auftreten werden). Diese Medikamente haben sehr wenige Nebenwirkungen.

Antibiotika:
Es gibt Daten, dass bei Morbus Crohn der Einsatz von Antibiotika einen Schub therapieren kann.

Cortisonpräparate:
Der akute, schwere Schub einer Colitis ulcerosa oder eines Morbus Crohns wird in der Regel mit Cortison behandelt. Cortisonpräparate sind als Dauertherapie nicht geeignet, da sie häufig zu Nebenwirkungen führen und in der Langzeittherapie meistens wenig effektiv sind. Nichtsdestotrotz können Schübe, die nur unregelmässig und selten auftreten, sehr gut mit diesem Medikament behandelt werden. Zu den Cortisonpräparaten gehört auch das Budesonid, welches durch geringere Nebenwirkungen charakterisiert ist. Dieses kann insbesondere beim Vorliegen eines Morbus Crohns im Übergang Dünndarm-Dickdarm angewendet werden. Die Nebenwirkungen der Cortisontherapie können im Auftreten eines Vollmondgesichtes, Akne und auch in einer Osteoporose (Knochenschwund) bestehen.

Patienten, die mehr als zwei Schübe pro Jahr haben, sollten mit sogenannten Immunsuppressiva (Azathioprin oder 6-Mercaptopurin) therapiert werden:

Azathioprin / 6-Mercaptopurin:
Azathioprin / 6-Mercaptopurin werden als Tabletten eingenommen. Diese Therapie ermöglicht vielen Patienten langfristig schubfrei zu bleiben. Diese Medikamente können eine Reihe von Nebenwirkungen aufweisen, aus diesem Grunde ist eine regelmässige klinische als auch laborchemische Kontrolle beim Spezialisten notwendig. Da diese Medikamente schon Jahrzehnte im Handel sind, ist das Nebenwirkungsspektrum bestens bekannt und es sind in der Regel keine langfristigen ernsten Nebenwirkungen zu erwarten.

Methotrexat:
Methotrexat ist ein weiteres Immunsuppressivum. Es wird wöchentlich in den Muskel oder unter die Haut gespritzt. Auch dieses Medikament soll weitere Schübe verhindern. Auch Methotrexat kann Nebenwirkungen im Bereich des Blutbildes, der Leber und der Lunge verursachen. Es kann auch zu Übelkeit und Haarausfall kommen.

Generell können und werden die oben genannten Medikamente nur dann bei Ihnen langfristig eingesetzt, wenn Sie diese ohne Nebenwirkungen vertragen.

TNF-Blocker:
Seit über zehn Jahren sind in der Schweiz TNF-Blocker erhältlich. Dieses sind im Labor hergestellte Antikörper gegen den Entzündungsbotenstoff TNF-Alpha. Häufig können in kurzer Zeit Entzündungsvorgänge im Darm unterdrückt werden, was dann zur raschen Besserung der Symptome führt. In der Schweiz sind derzeit Adalimumab, Certolizumab Pegol und Infliximab im Handel. Adalimumab und Certolizumab werden in zwei- bzw. vierwöchentlichen Abständen unter die Haut gespritzt, während Infliximab alle acht Wochen als Infusion verabreicht wird. Diese Therapien werden meist über viele Monate gegeben. Wie bei Immunsuppressiva können diese Medikamente zur kompletten Abheilung der Darmschleimhaut führen. Auch diese Medikamente können gelegentlich zu Nebenwirkungen, in der Regel Infektionen, führen. Aus diesem Grunde muss vor Beginn der Therapie mit TNF-Antikörpern Infektionen, beispielsweise eine Tuberkulose, ausgeschlossen werden. Insgesamt hat man inzwischen über diese Medikamente viele Daten bezüglich möglicher Nebenwirkungen, die zeigen, dass diese Medikamente in der Regel sehr gut verträglich sind.

01.06.2015 /   NEU: Vedolizumab (Entyvio):
Seit einigen Wochen wird Vedolizumab im Crohn-Colitis-Zentrum eingesetzt. Dieses Medikament ist ein Lymphozyten-Homing-Rezeptorblocker. Weisse Blutkörper, die über das Blut zum entzündeten Darm ziehen möchten und dort die Entzündung verstärken würden, werden über ein Schlüssel-Schloss-Prinzip an dieser Wanderung behindert. Das Medikament wird als Infusion in Woche 0, 2, 6 und dann alle 8 Wochen verabreicht. Es zeichnet sich durch ein günstiges Nebenwirkungsprofil aus, allerdings braucht es einige Wochen bis es eine klinische Wirkung zeigt.

Probiotika:
Diese sind gutartige Bakterien, welche die Darmflora günstig beeinflussen sollen. Insbesondere bei der Colitis ulcerosa gibt es in der Zwischenzeit mehrere positive Studien zu diesem Therapieansatz. Der Vorteil der Probiotikatherapie ist, dass diese so gut wie nebenwirkungsfrei ist.

Neue Medikamente / Studienmedikamente:
In unserem Zentrum werden Sie jederzeit über neue Medikamente und in der Schweiz laufende Therapiestudien zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen informiert.

Vitamine, Spurenelemente:
Bei manchen Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa kann es notwendig sein, Eisen, gewisse Spurenelemente wie Selen, Zink sowie auch Vitamine, wie beispielsweise Vitamin B12 oder Folsäure mittels Tabletten oder Injektionen zu ersetzen.