Balsiger, Seibold & Partner

Gastroenterologische Praxis & Crohn-Colitis-Zentrum
Hochhaus Lindenhofspital Bern

Chirurgie


Im Lindenhofspital Bern bieten wir Ihnen das gesamte Spektrum der Chirurgie des Morbus Crohn und der Colitis ulcerosa an. Dies wird mit den modernsten Operationstechniken durchgeführt. Danach erfolgt eine professionelle, interdisziplinäre und individualisierte Nachbetreuung.

Durch die moderne Operationstechnik der minimalinvasiven, video-assistierten Operation (Schlüsselloch-Chirurgie), kann, wo immer möglich, mit kleinsten Zugängen gearbeitet werden. Dies führt nach der Operation häufig zu weniger Schmerzen, einer schnelleren Erholung und somit einer kürzeren Aufenthaltsdauer im Spital! Nebenbei hat der Patient auch ein schöneres kosmetisches Resultat bezüglich der Narben.

Zusammen mit dem Team der Gastroenterologie und der interdisziplinären Möglichkeit in unserem überschaubaren Konzept, bieten wir Patienten ein erfahrenes Kompetenzzentrum für die Behandlung der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen schweizweit.

Morbus Crohn:

Im Gegensatz zur Colitis ulcerosa, kann bei Morbus Crohn nur selten eine Heilung durch einen chirurgischen Eingriff erfolgen. In gewissen Situationen, zum Beispiel bei chronischen Verengungen (Stenosen) im Magendarmtrakt, Abzessen, Fisteln oder einem fehlenden Ansprechen auf eine differenzierte medikamentöse Therapie, lässt sich ein chirurgisches Vorgehen nicht vermeiden.

Bei der chirurgischen Behandlung des Morbus Crohn legen wir bei uns einen besonderen Wert auf ein individualisiertes Vorgehen mit möglichst darmschonender Operationstechnik. Jede Crohnerkrankung verläuft anders und somit passen wir das chirurgische Vorgehen jedem Patienten individuell an. Das Therapiekonzept wird in der regen Diskussion mit unseren Kollegen der Gastroenterologie, nach den modernsten Erkenntnissen und unter Einbezug der Bedürfnisse und Möglichkeiten des Patienten festgelegt!

Fisteln
Durch chronische Entzündungen können kleine tunnelartige Gänge, sogenannte Fisteln entstehen. Diese können sich von Darm zu Darm, von Darm zur Harnblase oder Vagina oder auch von Darm zur Haut ausbilden. Im Bereiche des Afters kommen sie mit oder ohne Beteiligung des Schliessmuskelapparates vor. Das operative Vorgehen in diesen Fällen wird je nach klinischem Bild gemeinsam mit dem Patienten besprochen und durchgeführt. Es reicht von „einfachen“ Fisteloperationen mit dem Ausschneiden von analen Fisteln, Ableiten von Fisteln mittels Drainagen, Verschluss von Fisteln mittels neuartigen Fistula-Plugs, bis hin zu komplexen Operationen im Bereich der Bauchhöhle und des Afters.

Abzesse/Fisteln
Fisteln und Abzesse treten häufig in Kombination auf. Abzesse müssen chirurgisch oder mittels Drainage behandelt werden. Es ist sehr wichtig, die Behandlung nach dem Erscheinungsbild der Abszesse und Fisteln zu richten, damit zu grosse, schwierig zu reparierende Verletzungen begleitender Strukturen verhindert werden können. Das bedingt sehr häufig die Beurteilung eines erfahrenen Chirurgen.

Stenosen/Verengungen
Der Morbus Crohn führt durch langandauernde, chronische Entzündungen im Bereich des Darmes zu Vernarbungen und später zu Verengungen an diesen Stellen. Dadurch kann die Stuhlpassage behindert werden. Darmdurchbrüche oder die Entstehung von Blindgängen (Fisteln) sind nicht selten die Folge einer langdauernden chronischen Erkrankung. Falls eine Aufdehnung (Ballondilatation) mittels Darmspiegelung nicht möglich oder nicht erfolgreich ist, muss die Verengung chirurgisch entfernt werden. Hierbei muss immer ein möglichst darmschonendes Vorgehen gewählt werden (Strikturoplastik oder begrenzte Resektion).

Chronische Entzündungsherde
Bei fehlendem Ansprechen auf die medikamentöse Therapie ist in letzter Zeit in der Wissenschaft zunehmend wieder ein chirurgisches Vorgehen als vorteilhaft belegt worden. Die äusserst sparsame Entfernung eines chronisch entzündeten Crohnherdes am Darm kann die Medikamenteneinnahme reduzieren und häufig für lange Zeit Ruhe vor einem erneuten Schub bringen. Je nach vorliegendem klinischem Bild erwägen wir eine solche Indikation anhand unserer langen Erfahrung sehr sorgfältig, gemeinsam mit dem spezialisierten Team der Gastroenterologie.

Wenn nötig müssen diese chirurgischen Therapien in genauer Abstimmung mit der Verabreichung von TNF-Blockern erfolgen. Diesbezüglich verfügen wir über wohl die längste Erfahrung schweizweit, da wir die erste Klinik in der Schweiz waren, die mit diesen Medikamenten Crohn-Patienten im Rahmen einer Studie behandelt haben.


Colitis ulcerosa:

Im Gegensatz zum M. Crohn ist die Colitis ulcerosa mit der Entfernung des Dickdarmes und Enddarmes (Proktokolektomie) heilbar. Diese Operation wird in den meisten Fällen dann durchgeführt, wenn die heute verfügbaren Medikamente zu wenig Wirkung zeigen, oder der Patient im Rahmen der Nebenwirkungen diese Medikamente nicht mehr einnehmen kann.

In folgenden Situationen ist ein operatives Vorgehen gerechtfertigt:

-          mangelndes oder fehlendes Ansprechen auf die bestehende medikamentöse Therapie

-          schwerster, akuter und lebensbedrohlicher Entzündungszustand des Dickdarmes mit
           sofortiger notfallmässiger Entfernung des Dickdarmes

-          nicht stillbare Darmblutungen bei schwerem Colitis Schub

-          langjährige Erkrankung mit dem Risiko der Ausbildung eines Dickdarmkrebses durch
           die chronische Entzündung des Darmes

Die totale Proktokolektomie mit vollständiger Entfernung des Dick- und Enddarmes erfolgt bei uns mittels Video-assistierter Schlüsselloch-Chirurgie. In vielen Fällen kann die Wiederherstellung der Darmkontinuität erfolgen! Bei Notfalleingriffen muss meistens ein künstlicher Darmausgang angelegt werden! Dies ist jedoch bei uns sehr selten. Wir versuchen, wenn immer möglich, die Anlage eines definitiven künstlichen Darmausganges zu vermeiden!

Folgende Operationen werden je nach Krankheitssituation durchgeführt:

-          Die totale Proktokolektomie mit Anlage eines terminalen Ileostoma
           (künstlicher Darmausgang):

Nach der Entfernung des Dickdarmes (mit oder ohne Mastdarm) endet der Dünndarm als künstlicher Darmausgang über die Bauchdecke im Unterbauch. Dies ist die häufigste Operation im Notfall und muss in einem erfahrenem Zentrum nur noch selten bei geplanten Operationen durchgeführt werden!

Als Nachteil dieser Methode ist die psychische Belastung und Störung der körperlichen Integrität der Patienten durch einen künstlichen Darmausgang sowie die Anfälligkeit auf grosse Flüssigkeits- und Salzverluste über das Ileostoma.

Diese Operation kann aber nötig werden, wenn der Patient /in eine Schädigung des Afterschliessmuskel hat und durch den häufig deutlich dünneren Stuhlgang mit erhöhter Stuhlfrequenz durch die entstehende Stuhl-Inkontinenz (Unmöglichkeit den Stuhl zu halten) in der Lebensqualität starke Einbussen hat.

Wenn diese Operation im Notfall durchgeführt wird, ist eine spätere Operation mit Wiederherstellung der Darmkontinuität  zur Vermeidung des definitiven künstlichen Darmausganges häufig möglich. D.h der Patient hat eine zweite Operation einige Monaten nach der ersten, um den künstlichen Darmausgang rückgängig zu machen.

-          Totale Proktokolektomie mit kolo-analer Pouchanastomose:

Nach der vollständigen Entfernung des Dickdarmes inklusive des Mastdarmes wird aus Dünndarmschlingen ein neuer Enddarm angelegt, der eine gewisse Reservoir-Funktion besitzt und an den analen Schliessmuskel angeschlossen wird. Der Weg der normalen Stuhlpassage bis zum After kann somit erhalten werden. Meistens wird diese Operation mit der vorübergehenden Anlage eines künstlichen Darmausganges durchgeführt damit der neue “Dünndarm-Mastdarm”  gut einheilen kann. Mit dieser Operationstechnik kann man gefährliche Komplikationen vermeiden! Nach 4-8 Wochen wird mit einer viel kleineren Operation dieser künstliche Darmausgang in Teilnarkose rückgängig gemacht.

Das operative Vorgehen bei Colitis ulcerosa wird von unserem interdisziplinären Team gemeinsam mit dem Patienten abgewogen, die bestmögliche Lösung für den Patienten gefunden und sorgfältg geplant, um eine individuelle Gestaltung der Lebenssituation zu ermöglichen.